Styled Shoot

Es gibt keine echten oder unechten Trauungen. 

Es gibt auch keine echten oder unechten Geburten oder echtes oder unechtes Sterben.

Manchmal wird bei Styled Shoots darauf hingewiesen, dass es sich um “keine echte” Trauung handelt, manchmal wird es verschwiegen.
Wenn eine “Freie Trauung” für ein Fotoprojekt inszeniert wird, ist dies aber keine Trauung.
Es ist auch keine gestellte oder unechte Trauung im Gegensatz zu echten Trauungen. Es ist eine Zusammenstellung von Bänken oder Stühlen, ein ansprechendes und schön gestaltetes Ambiente mit schönen Menschen darinnen, und es soll als Beispiel für den möglichen Aufbau des äußeren Rahmens dienen.

Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Jeder freut sich an schönen Farben, Materialien, Blumen, einem liebevoll gestalteten Rahmen. Gezeigt wird aber keine Trauung. Denn die Trauung selbst ist unsichtbar. Eine Trauung hat ihre Bedeutung im Inhalt, nicht im äußeren Erscheinungsbild. Ein paar Stühle auf einer Wiese, eine Traurednerin, die sich dazu stellt und zwei Models, die ein Brautpaar spielen, sind schön anzusehen, sind vielleicht eine Projektionsfläche für eigene Wünsche, sind eine ansprechende Werbung für Brautkleider und Dekoelemente… sie sind keine Trauung.

Worum geht es denn bei einer Trauung, sei sie frei oder konfessionsgebunden? Es geht um ein echtes JA zwischen zwei Menschen, ein JA, das von innen kommt. Sie haben sich einen Rahmen gewählt, der diesem JA einen Ausdruck gibt. Sie haben die Gestaltung dieses Ausdruckes in die Hände einer Zeremonieleiterin, eines Ritualgestalters gegeben. Jemand, der sie durch eine Zeremonie führt, deren Sinn es ist, dieses JA ganz real, ganz sinnlich, ganz innerlich zu spüren und wahrzunehmen, sich von diesem Ja auf eine neue Stufe tragen zu lassen – und dies auch nach außen hin zu bekräftigen. Wo die Stühle stehen, wer die Traurednerin eingekleidet hat, und wie strahlend das Makeup der Braut ist – das sind die schönen Äußerlichkeiten eines Hochzeitsfestes. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ heisst es in „Der kleine Prinz“. Die Trauung selbst ist unsichtbar. Es ist der magische Moment, in dem die beiden Seelen sich einander zuneigen und die Frage „Willst du…“ mit Ja beantworten.

Foto: Marie-Christine Möller

 

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